Jeder Zweite kann nicht richtig schwimmen

Jeder Zweite kann nicht richtig schwimmen

Kinder lieben das kühle Nass an den warmen Sommertagen. Aber die Hälfte der Sechs- bis Zehnjährigen in Deutschland können nicht richtig schwimmen bzw. sind keine sicheren Schwimmer. Das fand das DLRG jetzt in einer Umfrage heraus. Das hinterlässt bei mir als Familienvater ein sehr ungutes Gefühl.

Wird Deutschland etwa zum Land der Nichtschwimmer? Wenn ja währe es ein sehr gefährlicher Trend. Aber woran liegt das?

Schwimmen lernen in der Vergangenheit

Vor einigen Jahren war schwimmen noch genau so so selbstverständlich wie laufen, sprechen, lesen und schreiben lernen. Heute nimmt schwimmen lernen aber mehr und mehr eine unwichtigere Rolle ein. Wenn man bedenkt, dass Ende der 1980er Jahre knapp 90 Prozent der Bevölkerung schwimmen konnte, ist das ein gefährlicher Trend der dringend gestoppt werden sollte. Früher lernte einfach jedes Kind schwimmen. Das war zu jener Zeit einfach so. Egal ob im Schwimmverein oder im Schwimmunterricht, die Kinder wurden früh mit dem Element Wasser in Verbindung gebracht.

Schwimmfähigkeit der Kinder heute

Die Schwimmfähigkeit der Kinder sieht leider nicht mehr so aus wie früher. Seit einigen Jahren stellt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) zunehmend fest, dass immer weniger Kinder richtig schwimmen lernen bzw. nicht richtig schwimmen können. Das bestätigt auch die Ergebnisse der Umfrage, die im Auftrag der DLRG durchgeführt wurde. Dabei wurden deutlich, dass 60 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen nicht richtig schwimmen können oder sogar Nichtschwimmer sind.

Demnach besitzen nur 40 Prozent der Kinder bis 10 Jahre ein Schwimmabzeichen. Nach Angaben der befragten Eltern besitzen immerhin 77 Prozent der Grundschüler das Seepferdchen. Dieses ist aufgrund der geringen Prüfungsanforderungen jedoch kein Schwimmabzeichen. Laut DLRG ist das Seepferdchen lediglich, eine Bescheinigung dafür, dass sich das Kind auf einer Stecke von 25 Metern über Wasser halten kann.

Darum können Kinder oftmals nicht richtig schwimmen?

Es gibt sicherlich eine Vielzahl von Gründen, warum Kinder nicht richtig schwimmen können. Grob lässt sich der Grund jedoch in die folgenden zwei Kategorien einordnen.

Schließung von Schwimmbädern

Ein wesentliches Problem ist, dass in den vergangen Jahren immer mehr Schwimmbäder aus Kostengründen geschlossen wurden. Oftmals fehlt den Städten und Gemeinden das Geld um ihre Schwimmstätten zu betreiben. Hinzu kommt, dass viele Schwimmbäder mittlerweile in die Jahre gekommen sind und eine Sanierung erforderlich wäre. Aber auch dafür fehlt meist das Geld. Dieses Problem kenne ich aus unserer Stadt all zu gut. Jedes Jahr kommt das Thema der Schließung auf den Tisch.

So musste in Deutschland seit dem Jahr 2000 ungefähr jedes 10 Schwimmbad geschlossen werden. Allein in Nordrhein- Westfalen muss im Schnitt jeden Monat ein Schwimmbad geschlossen werden. Zudem werden heutzutage kaum noch neue Schwimmbäder eröffnet werden. Seit 2016 sind deutschlandweit sage und schreibe sechs neue Schwimmbäder eröffnet worden. Es findet in Deutschland ein regelrechtes Bädersterben statt.

Kinder können nicht richtig schwimmen

Ohne die benötigten Schwimmbäder wird den Kinden einfach die Möglichkeit genommen schwimmen zu lernen. Hinzu kommt, dass sich die modernen Spaßbäder nicht wirklich eigenen, um Schwimmanfängern das schwimmen beizubringen. Diese verfügen in der Regel über eine oder mehrere Wasserrutschen, Whirlpools und ein Wellenbad was in einem Spaßbad durchaus Sinn macht. Aber ein zwingend erforderliches Schwimmerbecken über 25 Meter sucht man vergebens.

Geringes Angebot und hohe Preise

Wenn man sich zu den Eltern zählen kann die in der eigenen Stadt oder im näheren Umkreis ein Schwimmbad haben kann man sich wirklich glücklichen schätzen. Jedoch steht man zugleich vor dem nächsten Problem. Die angebotenen Schwimmkurse sind restlos ausgebucht. Auch ich als Vater zweier Kinder kenne das Problem sehr gut. Wenn man einen Platz in den heiß begehrten Schwimmkursen haben möchte muss man entweder früh dran sein und das quenchen Glück haben oder einfach über Vitamin B (Beziehung) verfügen.

Neben der geringen Verfügbarkeit von Plätzen in den Schwimmkursen ist der Preis für viele Familien ein weitere Hürde. Denn nicht jede Familie kann sich einen solchen Kurs überhaupt finanziell leisten. Besonders dann, wenn mehr als ein Kind einen solchen Kurs besuchen soll. Selbst ein „normaler“ Schwimmbadbesuch kann sich eine mehrköpfige Familie oftmals nicht ohne weiteres Leisten. Da fragt man sich wirklich wie man seine eigenen Kinder fördern kann und ihnen das schwimmen beibringen soll.

Entwicklung der schulischen Schwimmausbildung

Schwimmausbildung in der Schule

Schaut man auf die Entwicklung der schulischen Schwimmausbildung sollte man eigentlich die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Immer weniger Kinder lernen innerhalb ihrer Schulzeit schwimmen. Das geht auch aus den Umfrageergebnissen des DLRG hervor. Anhand der Grafik wird deutlich, dass das Erlangen der Schwimmfähigkeit in den letzten Jahren rückläufig ist. Das hängt laut DLRG damit zusammen, dass die Schwimmausbildung offenbar aus der Mode gekommen ist. Aber nicht nur das. Den Schulen fehlt einfach das erforderliche Personal mit einer entsprechenden Ausbildung um die Kinder zu betreuen oder zu beaufsichtigen.

Sollte sich der Trend in den kommenden Jahren in die gleiche Richtung weiter entwickeln „ist es nur eine Frage der Zeit, wann Deutschland zu einem Land der Nichtschwimmer wird“ so DLRG-Präsident Achim Haag. Denn dabei handelt es sich um einen sehr ernst zu nehmenden Trend. Allein im Jahr 2019 haben die DLRG-Einsatzkräfte 950 Menschen vor dem Ertrinken bewahrt. Für 417 Menschen kam im Jahr 2019 jedoch leider jede Hilfe zu spät.